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Anna hat Soziologie studiert und befindet sich aktuell im Masterstudiengang Public Health.

Warum Spielen für Kinder so wichtig ist.

Überblick

„Wer achtsam ist, sieht vieles, über das andere allzu leicht hinwegsehen.“ – Gerald Hüther & Uli Hauser

Bedeutet Spielen Nichtstun?

Ich selbst erinnere mich daran, dass Spielen in meiner Familie oft mit Nichtstun gleichgesetzt wurde. Die Erwachsenen sagten zu mir, ich sei nur am Spielen – ich soll doch auch mal was machen… Dabei gehören Spielen sowie freies Spielen zu einer solchen Sache, in der oft zu wenig Bedeutsamkeit gesehen wird.

Wenn wir uns einmal die Zeit nehmen und einem Kind wirklich aufmerksam beim Spielen zusehen, dann erkennen wir in diesem so viel mehr, als wir vielleicht vermuten. Unsere Kinder leben im gegenwärtigen Augenblick und sind im Spiel in einem absoluten Flow-Zustand, den wir Großen in zahlreichen Achtsamkeits- und Yogakursen zu erreichen versuchen.

Mir fällt es oft schwer, einem Spiel meines Kindes aufmerksam zu folgen, komplett frei zu sein und mich darin zu verlieren. Denn ich lasse oft meinen gegenwärtigen Moment durch zu viele Gedanken über meine zukünftigen Aufgaben im Alltag bestimmen. Dadurch schweife ich gedanklich ab und bin alles andere als im Jetzt. Doch wenn ich mir die Zeit nehme und mein Kind so ansehe, wie es dasitzt und in genau diesem Moment so gegenwärtig und frei spielt, empfinde ich unendliche Zufriedenheit. Ich würde am liebsten für immer in diesem Moment leben.

Reich an Begabungen - von Anfang an

Jedes Kind kommt als ein unverwechselbares Wesen auf die Welt und bringt alles mit, was es braucht, um die jeweilige Umgebung aufmerksam und interessiert zu entdecken (Hüther/Hauser 2014: 47). Unsere Kinder sind von Anfang an reich an Begabungen. Jedoch denken wir oft, dass wir ihnen diese erst erlernen oder beibringen müssten. Dabei bringen unsere Kinder – wie wir ja auch einst selbst welche waren – alles wirklich Wichtige wie Offenheit, Entdeckerfreude, Begeisterungsfähigkeit, Kreativität und Gestaltungslust von Anfang an mit. Gerald Hüther schreibt zusammen mit Uli Hauser in dem Buch „Jedes Kind ist hochbegabt“ über diese Bandbreite an Kompetenzen, die in jedem kleinen neuen Wesen stecken. Sie beschreiben dahingehend, dass durch jede neue Entdeckung und Erkenntnis im Gehirn von Kindern ein Sturm der Begeisterung ausgelöst wird (Hüther/Hauser 2014: 48).

Kinder besitzen diese Begeisterungsfähigkeit für alles, was ihnen begegnet. Wer einem Kind schon mal im freien Spiel zugesehen hat, sieht, was für eine blühende Fantasie es besitzt. Ich erinnere mich, dass mein Kind voller Freude aus einem Stück Alufolie einen Ball knüllte und diesen von der Rutsche zu mir ans Rutsch-Ende kullern ließ. Ich warf die zerknüllte Alufolie dann wieder zum Kind die Rutsche hoch und so entstand ein lustiges Hin-und-Her-Wurfspiel, in dem wir beide vollauf zufrieden waren. Weil mein Kind zu diesem Zeitpunkt noch keine Rutsche alleine herunterwollte, legte ich das neue Spielzeug neben sie, um mein Kind auf dem Weg nach unten zu begleiten. Als ich oben bei meinem Kind ankam, kam ein älteres Kind auf die Rutsche zu uns und sagte: „Wer hat denn diesen Müll hier liegen lassen?“ Ich war überrascht: Auf der einen Seite war es freudig zu hören, dass das Kind erkannte: dieses Material gehört nicht einfach so auf dem Spielplatz liegen gelassen. Gleichzeitig antwortete ich dem Kind: das ist unser Alufolienball zum Spielen. Das ältere Kind ging wortlos woanders hin.

Eine blühende Fantasie und Begeisterungsfähigkeit können durch Vorgaben und Besserwissen von Außen erlischen. Denn alles ist nur so lange interessant, bis es einen festgelegten Namen, eine zugeschriebene Funktion und bestenfalls noch eine Bewertung bekommt. Und so wird aus einem zusammengeknüllten Stück Alufolie kein Ball mehr, sondern Müll, der  – scheinbar – nicht zum Spielen da ist.

Die Entdeckerfreude, die das freie Spiel beinhaltet, wird durch Eingrenzungen verdorben. Hinzu kommt, dass sich – wo Kinder spielen – Erwachsene schnell belästigt fühlen (Hüther/Hauser 2014: 128). Der Spaß am eben noch so tollen Spiel vergeht.

Warum ist das Spielen so wichtig?

Kinder eignen sich im Spiel all die zu entdeckenden Dinge der Welt an. Susanne Mierau beschreibt in ihrem Buch „Geborgene Kindheit“ unter anderem, wie sich Kinder durch ihr Spiel erfahren und daraus wiederum für ihre Zukunft lernen (Mierau 2017).

Als erstes entdeckt das Kind sich und seinen Körper durch die eigene Beweglichkeit in Händen, Fingern und Füßen. Dadurch entsteht die Entwicklung für die Fähigkeit in Fortbewegung sowie Grob- und Feinmotorik. Sobald ein Kind das Greifen gelernt hat, erkundet es die verschiedenen Beschaffenheiten der Oberflächen in den vielen Materialien, die ihm im Alltag so begegnen. Es fängt an, in seinen Spielhandlungen Erlebtes oder Fantasievolles nachzuspielen, wodurch das Spiel immer abstrakter wird. Später können auch andere kleine und große Menschen darin einbezogen werden. „Spielen […]“, so schreibt Susanne Mierau, „ist eine der wichtigsten Tätigkeiten des Kindes, [denn] im Spiel werden Alltagssituationen erprobt.“ Im Spiel geht es auch um die Auseinandersetzung mit verschiedenen Rollen und Charakteren. Dadurch erst wird soziales Verhalten erfahren und letztlich gelernt. Kognitive Strukturen vernetzen sich neu, sodass es zahlreiche Dinge sind, die Kinder über das Spielen neu lernen und erfahren. Für uns Erwachsene ist es wie gesagt manchmal auch schwierig, ein Spiel des Kindes einfach so sein zu lassen, wenn es unserer Vorstellung nach nicht das richtige Spiel ist. Auf unser kindliches Spiel in der Vergangenheit wurde doch schließlich auch anders reagiert. Und woher sollen wir wissen, wie freies Spielen sein darf, wenn wir es nicht anders erfahren haben!? Ergo wird dem Spiel ein bloßer Zeitvertreib mit wenig Bedeutung zugesprochen. Wenn wir uns ständig in das Spiel unserer Kinder einmischen, haben wir im Endeffekt nichts nachhaltig Gutes erreicht. Im Gegenteil, wir haben unseren Kindern ihre Lernmöglichkeit genommen, sich und ihre Umwelt im Spiel – spielerisch – zu erfahren. Um das zu vermeiden, ist es wichtig, sich nochmal bewusst zu machen, dass jede Art von Spiel sinnvoll ist. Freies Spiel bedeutet jedoch nicht immer Ruhe und Stille für uns Erwachsene, auch wenn das am leichtesten auszuhalten ist. Freies Spiel kann alles sein – sowohl laut und chaotisch, als auch leise und verträumt…

Wie funktioniert freies Spielen?

Die Frage, die wir uns als Eltern stellen sollten, ist nicht diejenige, wie wir das freie Spiel fördern, sondern wie wir eine gute Umgebung für unser(e) Kind(er) schaffen können, in der sie spielerisch und frei die Welt erkunden können. Das heißt, unsere Kinder brauchen neben Freiraum auch Zeit zum Spielen! Diese Zeit ist besonders wichtig, wenn der Alltag bereits mit Terminen und Verpflichtungen strukturiert ist. Wenn wir Kindern diesen Freiraum im Alltag lassen, haben sie immense Möglichkeiten, diese Zeit kreativ zu gestalten – auch wenn es wiederum manchmal etwas Zeit für das Kind bedarf, ins wirklich freie Spiel zu kommen. Deswegen ist es auch wichtig, mögliche Langeweile bei unseren Kindern zuzulassen. Langeweile kann manchmal auch ein Zeichen der Erschöpfung sein, in der das Kind erst einmal Entspannung zur Regeneration braucht. Es kann aber auch sein, dass das Kind einfach überfordert ist, bei einer breiten Auswahl an tollen Spielsachen. Wenn wir unseren Kindern die Zeit, in der sie sich langweilen, gewähren, ohne sie wieder neu in ein Spiel verwickeln oder ihnen eines andrehen zu wollen, dann schaffen sie es oft von ganz allein, wieder in ein aktives Spiel zu kommen – in ihrem Tempo, nach ihrem Belieben.

Wo geht freies Spielen?

Dieser Freiraum zum Spiel kann überall sein und manchmal hilft auch uns Eltern etwas Abwechslung und Auflockerung der Spielumgebung. Diese finden wir in der Natur und unsere Kinder haben gerade dort so viele Möglichkeiten zum freien Spiel. Es kann helfen, sich einfach mal von Ideen zum Spiel als Handlungsanweisung abzulösen und wieder mehr Improvisation, Kreativität und Freiheit zuzulassen.

Fazit.

Eine Aufgabe für uns als Eltern kann es sein, jedem Kind die Gelegenheit zu geben, sich in der eigenen Welt frei entfalten zu können. So werden die im Gehirn angelegten Vernetzungsoptionen und die damit einhergehenden Begabungen, die jedes Kind mitbringt, stabilisiert (Hüther/Hauser 2014: 95). Wichtig ist nicht, was unser Kind alles in seiner Freizeitaktivität kann und macht, neben Kindergarten und Schule. Wichtig ist, dass wir unsere Kinder, die noch so nah an sich selbst sind und eine so starke Verbindung zu ihrer Fantasie haben, einfach in ihrem Spiel frei sein lassen. Ohne Bewertung, ohne Vorgaben. So wie wir in der Kindheit auch am liebsten gespielt haben.

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